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HARTE STRAFEN FϋR FANATISHCHE FANS

Er habe hier zu arbeiten, log Jonathan Norman, als er das erste Mal an der Tur von Steven Spielberg auftauchte. Zwei Wochen später kam Norman wieder und erzählte den Wachleuten, er sei Spielbergs Sohn. Als sie ihn durchsuchtcn, fanden sie ein Messer, Handschellen und Klebeband. Norman erklarte, er brauche seine Mitbringsel, um Spielberg einen Wunsch zu erfullen:,, Er will von mir vergewaltigt werden"
 

Auch bei Robert Dewey Hoskins drehte sich alles urn einen unerfüllten Wunsch. Er stieg in das Anwesen von Madonna ein und fiel wie ein Berserker über einen ihrer Leibwächter her. Der konnte sich nicht anders helfen, als dem Eindringling drei Kugeln in den Leib zu schießen. Dabei wollte Hoskins Madonna lediglich einen Heiratsantrag machen. Für den Fall einer Ablehnung hatte er sich allerdings vorgenommen, ihr den Hals aufzuschlitzen, ,,von einem Ohr bis zum anderen."


Norman und Hoskins hatten Pech. Ihre Fälle landeten auf dem Schreibtisch von Rhonda Saunders. Ohne die zierliche Staatsanwältin aus Los Angeles gäbe es den Abschnitt 646, Absatz 9 des kalifornischen Strafgesetzes nicht. Sie ist die Erfinderin des Stalker-Paragraphen, nach dem Norman zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt wurde und Hoskins zu zehn.
 

1991 bearbeitete die Star-Juristin, die einmal Musical-Tänzerin war, ihren ersten Stalker-Fall: Eine Frau wurde von einer anderen Frau immer wieder belästigt und bedrängt. Rhonda Saunders brachte die Verfolgerin hinter Gitter, sie wurde wegen Einbruchs verurteilt. Die Staatsanwältin konnte sich über ihren Sieg aber nicht recht freuen: ,,Ich war entsetzt, dass es keine vernünftigen Gesetze gegen Stalking gab. Also schrieb ich selber eins."
 

Als Rhonda Saunders ihren Gesetzentwurf einreichtc. erntete sic bei den Abgeordneten große Heiterkeit. Das Lachen verging den Gesetzgebern, als die Sekretärin eines Senators von ihrem Ex-Freund niedergeschossen wurde. Rhonda Saunders durfte ihre Ideen noch einmal vortragen - und Kalifornien bekam 1993 das härteste Anti-Stalking-Gesetz Amerikas. Als Stalker gilt darin, ,,wer andere absichtlich, böswillig und wiederholt verfolgt und belästigt und eine nachvollziehbare Bedrohung ausübt in der Absicht, andere in ernsthafte Angst um ihre Sicherheit zu versetzen" Stalker müssen mit drei bis vier Jahren Haft rechnen. Sind sic bereits zweimal wegen schwerer Verbrechen vorbestraft, landen sie für 25 Jahre im Knast.

Arbeit gibt es genug:
Rhonda Saunders und ihre drei Kollegen vom Anti-stalking-Team der Staatsanwaltschaft Los Angeles bearbeiten 400 Fälle im Jahr. Zwar sind meist Durchschnittsbürger betroffen — doch fast alle Hollywood- Stars standen auch schon einmal im Visier. Die Star-Stalker kennen ihre Opfer meistens nur aus dem Kino oder dem Fernsehen. Viele von ihnen leiden an einer Krankheit, die in der Psychologie als Erotomanie bezeichnet wird: die felsenfeste Überzeugung, der Star sei in sie verliebt und warte sehnsüchtig auf em Stelldichein.
 

Das dachte auch die 19-jährige Athena Rolando. Kurzerhand erfüllte sie sich den Traum vieler weiblicher Fans und räkelte sich im Bett von Brad Pitt — wenn auch in dessen Abwesenheit. Sic war in seine Wohnung eingebrochen. Nun darf sie sich ihrem Traummann nur noch auf höchstens 100 Meter nähern.
 

Schlimmere Folgen hatte der Liebeswahn für eine Ex-Polizistin aus Los Angeles, die einem TV-Wettervorhersager verfiel. Sie glaubte, er spräche aus dem Fernsehgerät zu ihr. Um ihm eine Freude zu machen, tanzte die Politesse im Negligé daheim vor dem Bildschirm, während der ahnungslose Mann Sonnenschein oder Regenschaucr ansagte. Einer gemeinsamen Zukunft standen — ihrer Meinung nach — nur noch Frau und Kinder des Wetterfroschs im Weg. Sie fing an, die Familie zu terrorisieren, und kam ins Gefängnis.
 

Das Risiko, verhaftet zu werden, schreckt Star-Stalker kaum. Wenn sie vor Gericht landen und die Medien über sie berichten, haben sie ein wichtiges Ziel erreicht: Ihr Name wird in einem Atemzug mit dem des Stars genannt Von nun an gehören sie zu seinem Leben.
 

Nachdem er im Jahr 1980 John Lennon erschossen hatte, erklärte Mark Chapman: ,,Ich war ein Niemand, bis ich den wichtigsten Je mand der Welt umbrachte Und Madonna Stalker Hoskins sitzt in seiner Zelle und freu sich diebisch, dass die Mithäftlinge ihn in An spielung auf Madonnas Hit ,,Material Girl respektvoll den ,,Material Man” nennen.
 

Rhonda Saunders, deren Broadway.Karrier einst ruhmlos verlief, hat aus ihren Erfahrun gen mit den verrückten Fans gelernt: ,,Ich bin wirklich froh, dass ich kein Star bn"
 

ANDREAS HUTZLE

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